Am Sonnabend haben wir die beiden Vogelkästen im Turm gesäubert.
Sie sind 2025 rege genutzt worden:
Zuerst hatten sich im Frühling, neben dem regelmäßig anwesenden Turmfalkenpaar, Dohlen eingenistet. Sie versuchten, in beiden Kästen Fuß zu fassen und trugen fleißig viele Ästchen ein. Die Turmfalken haben sich aber am Ende im Kasten auf der Ostseite (eigentlich für Schleiereulen gedacht) wieder erfolgreich durchgesetzt. Als wir im Juni aus dem Urlaub kamen, waren drei Jungvögel fast flügge. Gleichzeitig hatten sich im Nordkasten Schleiereulen eingefunden und mindestens ein Ei gelegt. Die Dohlen hatten also in beiden Kästen das Nachsehen. So etwas nennt man „naturschutzfachlichen Zielkonflikt“.
Die jungen Falken flogen irgendwann Anfang Juli aus. Zu dieser Zeit schien der Nordkasten zugesperrt worden zu sein: Von unten wirkte es, als habe jemand von innen den Eingang mit einem Brett vernagelt. Mit Fernglas konnte man aber erkennen, dass dort Hornissen ein- und ausflogen. Wir haben vorsichtig nachgeschaut: Ja, dort drinnen summte es!
Die Schleiereulen waren in den nun freien Kasten auf der Ostseite umgezogen und hatten Ende August zwei noch sehr kleine Küken und fünf Eier. … Der Sommer ging zu Ende und am 7. Oktober konnte der Vogelberinger Gunter Ehlers vom Verein Sächsischer Ornithologen e.V. drei Jungeulen beringen. Die übrigen Eier waren wohl nicht befruchtet.
Bei der Säuberungsaktion am 9. Januar haben wir aus dem „Ostkasten“ eine Dreiviertel Mörtelwanne voll Hinterlassenschaften geholt: Ästchen, Exkremente, Federn, Nahrungsreste … der Geruch war wenig appetitlich.
Das Hornissennest, dessen Bewohner im Winter eingehen bzw. deren Königin irgendwo anders überwintert, haben wir ebenfalls entnommen. Darunter kamen tatsächlich sechs Schleiereulen-Eier und jede Menge Ästchen aus der Zeit der Dohlen zum Vorschein. Das Hornissennest hat den gesamten Kasten ausgefüllt. Wir haben es noch aufgehoben und räumen es dann zum Frühjahrsputz weg!
Jetzt stehen beide Quartiere wieder zur Besiedlung bereit und wir sind gespannt, wer sich hier in 2026 erfolgreich vermehrt.
Heike Sichting



Ich freue mich sehr, dass so viel Leben im Kirchturm ist. Toll und Dankeschön für die Fotos und interessante Berichterstattung … jetzt kennen wir auch unsere Bewohner.
Gudrun
Hallöchen Heike, dein Artikel liest sich richtig spannend. Ich habe nicht gewusst, wie viel Leben im Kirchturm ist.
Dankeschön auch für eurer Engagement.
Beste Grüße euer Herbergsvater Thomas