Gevatterbrief aus Kleinliebenau

Es gibt auch interessante Dinge zu berichten, abseits von Corona und Hygienevorschriften:

Kürzlich bekam ich einen Anruf von Frau Knoth, der ehemaligen Gasthausbesitzerin von Kleinliebenau. Sie bekam im letzten Jahr einen alten Brief von 1898 zugesandt, der beim Abriss eines Hauses in Kleinliebenau gefunden wurde. Der Brief ist von einem Herrn Knoth (ein entfernter Verwandter der Frau K.) an Herrn Erfurth (Bauer im Dorf Kleinliebenau) gerichtet, und er bittet ihn, Gevatter (Pate) seines jüngstgeborenen Söhnchens zu werden.

Ein so genannter „Gevatterbrief“ oder Patenbittbrief: solche Briefe wurden früher von Kantor oder Schulmeister verfasst, hatten also regional nahezu gleichen Inhalt. Frau Knoth wollte den Brief nicht wegwerfen und hat ihn mir geschickt, zur Bewahrung Kleinliebenauer Geschichte. So halte ich es für eine gute Idee, ihn hier auf der Webseite zu zeigen und zu bewahren – vielleicht meldet sich ja sogar ein Nachfahre vom Gevatter oder Täufling.

Gevatter- oder Patenbittbrief
Gevatter- oder Patenbittbrief
Adresse Gevatterbrief
Adresse Gevatterbrief

Interessant fand ich, dass es zum Ende des 19. Jahrhunderts für die Einladung von Taufpaten sogar vorgedruckte Brief-Formulare gab, im Verlag von Hermann Beyer & Söhne in Langensalza, zu bestellen als Formular B1.

Hier der Wortlaut des Briefs:
Dem hochgeehrten und werthgeschätzten Herrn Gevatter Franz Erfurth Kl. Liebenau

Hochgeehrter und wertgeschätzter Herr Gevatter,

Durch Gottes Gnade ist am vergangenen Donnerstag, den 11. August meine liebe Frau von einem Sohn glücklich entbunden worden, das wir am nächsten Sonntag, den 4. September nachmittags 1/2 3 Uhr in hiesiger Kirche … durch die heilige Taufe dem zuzuführen gesonnen sind, der da sprach „Lasset die Kindlein zu mir kommen“.
In der zuversichtlichen Hoffnung, dass Sie unsere Bitte, Patenstelle übernehmen zu wollen, gütigst erfüllen werden, haben wir Sie zu einem Taufzeugen für unser neugeborenes Kindlein ausersehen.
Wir werden die gefällige Erweisung dieses Liebesdienstes stets mit innigstem Dank erkennen.

Kl.-Liebenau d. 1.9.1898 Bernhard Knoth und Frau

Danke, Frau Knoth, für das schöne historische Dokument und die „Übersetzung“ in moderne Schrift!

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